Im Portrait: Stephanie Wegner, Mowiol-Betrieb

„Sich im Team individuell einbringen -
das ist mein Ding“!

Eine Frau steht „ihren Mann“ – das kann man wohl ohne Zweifel von Stephanie Wegner sagen. Die 28Jährige Chemikantin arbeitet seit Juni 2002 „auf Schicht“ im Mowiol-Betrieb - als eine von drei Frauen unter 45 Männern.
            

Mit gerade mal 16 Jahren machte sich Stephanie Wegner 1999 alleine von ihrer Heimat in der Nähe von Leipzig auf den Weg nach Frankfurt-Höchst. Ihr Ziel: die Ausbildung zur Chemikantin bei der Clariant Deutschland GmbH. „Ich hatte mich nach dem Realschulabschluss zum Beispiel auch bei Buna beworben und den Ausbildungsvertrag quasi in der Tasche. Der Industriepark Höchst war mir völlig unbekannt. Doch die Übernahmechancen, die Clariant bot, haben mich überzeugt“, blickt Stephanie Wegner zurück.

Vor zwölf Jahren begann sie ihre dreijährige Ausbildung zur Chemikantin mit vier weiteren Frauen. Sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden, war für Stephanie Wegner natürlich nicht einfach. Aber fast nur mit Männern zusammen zu arbeiten, stellte für die jetzige Zeilsheimerin kein Problem dar. „Ich kenne das schon immer so. Auch als Mädchen war ich eher mit Jungs unterwegs“, erzählt sie.  Warum sie sich gerade für diesen „Männerberuf“ entschieden hat, begründet sie so: „Schon in der Schule hat mir Chemie und Physik gelegen. Den ersten Kontakt zum Beruf Chemikant bekam ich über einen Schüler, der sich bei Leuna beworben hat.“ In den Bewerbungsgesprächen stellte sie dann fest, dass dieser Beruf zu ihr passt.

Den Mowiol-Betrieb hat Stephanie Wegner bereits am Ende ihrer Ausbildung kennengelernt und fühlt sich hier sehr wohl. „Die Arbeit ist viel abwechslungsreicher als in anderen Betrieben und erfordert ein größeres Wissen“. Als eine von wenigen Kolleg(inn)en hat sie die Qualifikation, beide Betriebsanlagen – Produktion und Destillation - im Mowiol-Betrieb „zu fahren“. Die Tätigkeiten in der Messwarte oder an der Anlage übernimmt sie gleichberechtigt wie ihre Kollegen. Nur bei schwerer, körperlicher Arbeit, wie den Umbau eines Trockners, ist sie auf männliche Unterstützung angewiesen. Die Teamarbeit steht für Stephanie Wegner an oberster Stelle. „Man kann nicht alleine eine Anlage fahren sondern muss sich auf die Kollegen verlassen können.“ Auch der direkte Informationsaustausch untereinander ist aus ihrer Sicht  unerlässlich, um die Anlagen immer sicher bedienen zu können.

Das „Tüfteln“ rund um die Anlage macht ihr Spaß


Ihr liebster Einsatzort ist der Außendienst in der Produktion: „Da hat man direkt mit der Materie zu tun, kann schrauben oder mal ein Einlaufrohr wechseln. Das liegt mir besonders“, erzählt sie. Vor allem das „Sich-hineindenken-Können“ in die Anlage hält sie für eine wichtige Voraussetzung für das Ausüben des Chemikantenberufs. Nur so können Aufgaben, wie das Einsparen von Energie oder Kühlwasser auch umgesetzt werden. Hier kann man seine eigenen Ideen auch über das Kuraray Ideen Management (KIM) einbringen. „Um an dem Beruf richtig Spaß zu haben, muss man sich wirklich für die Materie interessieren.“
 
Dass es nur so wenige Frauen in diesem Bereich gibt, liegt ihrer Meinung nach an der fehlenden Information über den Ausbildungsgang. Die heutigen Initiativen, wie der „girls day“, sind daher aus ihrer Sicht sehr hilfreich. Als Alternative zur Chemikantin hätte sich die leidenschaftliche Motorradfahrerin, die in ihrer Freizeit auch gerne liest oder im Urlaub Segeln geht,  auch noch den Ausbildungsgang zur Zweiradtechnikerin oder zur technischen Zeichnerin vorstellen können. Ein Faible für alles, was mit Technik und Physik zu tun hat, war von Anfang an bei ihr ausgeprägt.

Ob sie auch noch einen Meisterkurs absolvieren wird, lässt sie allerdings offen. Zunächst steht für sie aber erst mal die große Herausforderung des Umbaus der Anlage auf dem Plan. Und einen beruflichen „Traum“ hat sie auch: Sich irgendwann einmal die Produktion von Kuraray in Japan anzusehen, das wäre sehr spannend, meint sie. Von einem intensiveren Austausch auch auf Produktionsebene – davon würden doch alle profitieren!